Dez 18 2014

Bericht „Dirty Profits 3“: Freiwillige Unternehmensverantwortung reicht nicht aus

Am 10. Dezember 2014, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, veröffentlichte die Umweltschutz- und Menschenrechtsorganisation Facing Finance den Bericht „Dirty Profits 3“. Dabei handelt es sich um ein zivilgesellschaftliches Kooperationsprojekt, das von über 30 Autorinnen und Autoren aus zehn Ländern recherchiert und zusammengetragen wurde.

Der Bericht deckt gravierende Verstöße gegen international etablierte Normen und Standards von 25 transnational agierenden Unternehmen auf und fordert eine rechtlich bindende Unternehmensverantwortung sowie eine intensivierte Kontrolle von Finanzdienstleistern. „Leider reichen die unverbindlichen Selbstverpflichtungen der Finanzdienstleister und Konzerne bei weitem nicht aus, um massive Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen zu verhindern (...)“, so Thomas Küchenmeister von Facing Finance. Die Folge seien massive Menschenrechtsverletzungen, Korruption, Ausbeutung, Umwelt- und Klimazerstörung.

Der Bericht dokumentiert stichprobenartig schwerwiegende Verstöße aus der Pharmabranche, identifiziert Unternehmen, die durch erhebliche CO2-Emissionen das Klima zerstören, deckt Verletzungen der Arbeitsrechte in der Textilindustrie auf und beklagt die sprunghaft angestiegenen illegalen Landnahmen in Entwicklungsländern. Untersucht wurden Unternehmen, die bereits durch öffentliche Anklagen von Medien und Zivilgesellschaft, Verstöße gegen nationales und/oder internationales Recht, laufende Gerichtsverfahren oder Investitionsausschlüsse bekannt wurden. Darunter finden sich Namen von CO2-Produzenten wie Chevron, Shell und Gazprom sowie Firmen wie Gap und Walmart.

Ein besonderes Augenmerk legten die Autorinnen und Autoren außerdem auf die Rolle von 24 führenden europäischen Finanzdienstleistern, die sich durch Projektfinanzierungen an den im Bericht aufgedeckten Verstößen der Unternehmen beteiligten. So soll sich laut dem Bericht die Summe dieser Finanzbeziehungen im Untersuchungszeitraum (Januar 2012 bis August 2014) auf rund 144 Milliarden Euro belaufen haben. 29 Milliarden Euro könnten davon rechtlich und moralisch umstrittenen Rohstoff- und Bergbauunternehmen zugeordnet werden, ganze 67 Milliarden Euro den im Bericht genannten Hauptverursachern von CO2-Ausstößen.

Ziel des seit 2012 jährlich erscheinenden Berichts ist es, öffentlichen Druck aufzubauen und sowohl rechtlich bindende Verpflichtungen für Unternehmen und Finanzdienstleister als auch mehr Transparenz im globalen Geschäfts- und Finanzverkehr herzustellen. Dies soll zu mehr sozialer und ökologischer Verantwortung seitens der Banken und Konzerne sowie zu einem erhöhten öffentlichen Bewusstsein für menschenrechtsverletzende Geschäftsmethoden führen.

Quelle: Projekt "Deine Stimme gegen Armut - Entwicklung braucht Beteiligung"